Timm Ulrichs
Geboren 1940 in Berlin. Studium an der Technischen Hochschule Hannover von 1959 - 1966. Gründung der "Werbezentrale für Totalkunst" mit 'Zimmer-Galerie & Zimmer-Theater" 1961; seit 1972 Professur an der Kunstakademie Monster. Diverse Förderpreise ab 196S. Lebt in Münster" und Hannover.
„Zum Material der Kunst kann prinzipiell und potentiell alles werden... Das heißt für meinen Fall: ich selbst bin mein beliebtestes Medium und (Menschen-) Material, ebenso wie alles und jedes, das in meiner Reichweite sich befindet, mir in die Hände oder vor die Fülle fällt Meine Aufmerksamkeit richtet sich immer wieder auf das, womit der Mensch sich einrichtet und das Leben möbliert und ausstattet Tisch, Stuhl und den Boden der Tatsachen als diejenigen Bretter, die Welt bedeuten und Welt sind". (Ulrichs 1992)
Einen breiten Raum nimmt auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch und Natur ein. Seine Totalkunst" und "Ideenkunst arbeitet konsequent mit den Mitteln der "subversiven Argumentation", wie sie der Konstanzer Philosoph Hubert Schleichert 1999 beschrieben hat: Das Ausleuchten der Dinge bis in die unbeachteten Details, wobei die Polaritäten und Diskrepanzen ans Licht treten und deren absurde Auswirkungen sichtbar werden.
„So etwas, Das ist ja. gerade wie ein Schachbrett aufgeteilt!“ sagte Alice schließlich. „Eigentlich müssten da ja Figuren umherrücken - und da sind sie auch schon!“ rief sie fröhlich aus, und ihr Herz begann vor Aufregung schneller zu schlagen, während sie weiter sprach. „Da ist ja ein riesiges Schachspiel im Gang- über die ganze Welt hin -wenn das die Welt ist, heißt das. Ach, welch ein Spaß! Wenn ich doch auch mit von der Partie sein könnte! Und wenn´s als Bauer wäre, Hauptsache, ich konnte dabei sein- aber Königin wäre freilich das Allerschönste“.
Einem Spielfeld im Schachbrettmuster, das in Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“ (1872) die .Betrachter zu Statisten, zu Mitspielern und „Figuren“ eines großräumigen Spiels macht begegnet der Besucher hier erneut, wenn er zwischen zwei „Springern“ und einem „Turm“ sich bewegt, die ihn überragen und ihm die Rolle eines Bauern zu weisen. Das Raster der Spielfläche wird gebildet durch „photosynthetische Photogramme“, die durch lichtundurchlässige Sperrholzplatten auf der Spiel-Wiese sich abzeichnen; dadurch, dass die Chlorophyll erzeugende Photosynthese unter ihnen verhindert wird, bleicht das „unbelichtete“ Gras aus und wird gelb-temporäre, nicht fixierbare Lichtbilder ergeben, Photo-Grafien im Wortsinne, geschrieben mlt „the pencil of nature«. (William Fox-Talbot)
Die Geometrisierung und Parzellierung der Natur, die im Luftbild jedwede Landschaft wie Bild Mondrians oder Produktionen des Konstruktivismus oder der Farbfeldmalerei erscheinen lässt, erfährt in der gleichmäßig-gleichförmigen, kleinteilig – kleinkarierten“ Schachbrett-Einteilung eine Beispielhaftigkeit, die zeigt, wie sehr wir die - flurbereinigte, flußbegradigte, schachmatt gesetzte - Welt uns untertan gemacht haben, (Tlm Ulrichs)
Standort:
Höhe Himmelbach am Wanderweg zwischen derAuermühle und dem Steinkothert.
Projekt im Rahmen der EUROGA:
Springer und Bauern
2 Springer und 1Turm-Schachfigur, Kiefernholz, ca. 18O cm hoch, 0 90 cm, weiß bzw. grau lasiert, auf grau lackiertem Holzsockel, 60 x 100 x 100 cm, auf durch "photosynthetische Fotogramme" in 150 x 150 cm große Felder schachbrettartig gestalteter Grünfläche.
2002 Realisation: Walter Hoppe, Hannover Mitarbeit: Andreas Schüßler, Hannover Statik: Gerhard Brenner, Essen