
Robert Hartmann - Ulrike Zilly
Robert Hartmann
geboren 1949 in Seßlach (Oberfranken). Studium an der Werkkunstschule
Würzburg und Kunstakademie Düsseldorf von 1967 - 1974 bei K. O. Götz,
J. Beuys und O. J. Pouvelsen, Meisterschülerabschluss. 1969 - 1973 Aktionen
und Veröffentlichungen mit der Gruppe YIUP. Ulrike Zilly und Robert Hartmann
leben und arbeiten in Düsseldorf
Ulrike Zilly
geboren 1952 in Oberhausen. Studium an der Kunstakademie Düsseldorf von
1970 - 1975 bei den Professoren Rissa und Althoff,
Meisterschülerabschluss
1982 entstanden - zusammen mit Werner Reuber - die ersten Gemeinschaftsarbeiten. Als Die Langheimer entwickelte die Gruppe eine Vorliebe für themenübergreifende künstlerische Ansätze, wie es sich beispielhaft in dem Buch Wie ein flüchtiger Hirsch - Diesseits und jenseits der Kunst, Natur und Wissenschaft zeigt. In diesem wie in den weiteren zitierten Projekten geht es um die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und den modernen wissenschaftlichen Denkmodellen: Die Haftpflicht des Sehers - Expeditionspapiere I (Galerie Schübbe, Mettmann, 1987), Die Logik der Dummheit (mit Bazon Brock im Kunstverein Dortmund, 1988), Das Waisenhaus der Kunst (Neuer Aachner Kunstverein, 1989), Die Untiefen des Glücks. Tarot - Tarock - Taricchi. Gedankenspiele. (Museum der Stadt Ratingen, 1994), Von der unbefleckten Erkenntnis. Erotische Charakteranalyse (Mönchengladbach, Altes Museum, 1996), Nackte Schönheit (Hospitalhof Stuttgart, 1996) oder Kathedrale des Wassers. Auf der Suche nach dem Geist der Moderne. (Wasserspeicher Düsseldorf-Grafenberg, 2000). Die künstlerische Umsetzung erfolgt in Malerei oder Holzschnitt, Skulptur, Aktionen, Foto oder Film.
Projekt im Rahmen der Euroga:
Ulrike Zilly
Hasenkommunikation Nr.7, 2002,
Eisen, verzinkt auf Betonsockel
Höhe: 1,94 m o. S.
Standort: Auf der Angerwiese im Zusammenschluß von Blyth-Valley-Ring/Vermillionring
und dem Stadionring
Robert Hartmann
Hasentangente Ost-West, 2002,
Eisen, verzinkt, z.T. lackiert auf Betonsockel
Höhe: 1,80 m o. S.
Standort: Stadionring, an der South-Dakota-Bücke
Am Hasendenkmal von Ulrike Zilly wird der bisher an der Anger entlangführende Euroga-Weg durch die Eisenbahn unterbrochen. Jägerhut und Hasenspuren weisen auf den Umweg über die South-Dakota-Brücke, wo die Hasentangente Ost-West von Robert Hartmann den Aufgang zur Brücke markiert. Hier ziehen unmittelbar über den Dächern der geparkten Autos und ungeachtet des dort liegenden Jägerhutes Hasenvater und Hasensohn zu einem festtäglichen Vergnügen aus.
Den Ort, den Ulrike Zilly und Robert Hartmann bespielen, sind Üebergangstellen, wo Natur und Verkehr besonders kraß aufeinanderstoßen. Robert Hartmann: "In unserer Zeit ist es keine Frage mehr darüber nachzudenken, in welchem Wechselverhältnis der Mensch und die Technik zu den Tieren und der Natur sich bewegt. Es ist eine Binsenwahrheit: Wo Natur und Tier gebeutelt werden, geht es auch irgendwann dem Mensch schlecht. Der Kunstweg soll eine künstlerische Meßstation werden, die dies zur Besinnung und in die Verhältnisse bringt.
In seinem Buch "Jagd im Zwielicht, von Jagdherren, Jägern und Wilderern" belegt Herbert Wotte, daß solche Fragen schon früher zur Darstellung kamen; so wurde 1570 ein Flügel der Augustusburg, das sogenannte Hasenhaus, im Auftrag des Kurfürsten mit einer Folge von Wandgemälden geschmückt, in denen der Maler den erfolgreichen Aufstand der Hasen gegen seine Todfeinde darstellte: die Menschen, die Hunde, die Greifvögel. Anderen wiederum ist das Erscheinen eines Hasen ein so gewichtiges Omen, daß sich danach ihr Leben grundlegend änderte. Weil Hasen Zeichen sein können, fordert der russische Schriftsteller Andrej Bitow in Anlehnung an sein Buch Puschkins Hase, seinem berühmten Vorgänger ein Hasendenkmal zu errichten. Mit der Hasenkommunikation Nr. 7 von Ulrike Zilly ist diese Forderung zum ersten Mal verwirklicht.
Als Denkmal kommt der Hase von Ulrike Zilly in klassischer Standbein-Spielbein-Position daher und hat - wie es einem Herrscher gebührt - die Angeraue einschließlich der näheren und ferneren Umgebung in seinen Besitz genommen. Von seinem Aussichtspunkt beäugt er den Wald von Lintorf und gleichzeitig die Stadt Ratingen, die Ohren belauschen das Murmeln des Flusses und mit seiner unermütlichen Schnuppernase hält er Kontakt zu Vater und Sohn an der South-Dakota-Brücke.
Die Hasen - bei Zilly und Hartmann ironische Zitate - sind Stellvertreter für die Menschen.