
Johannes Brus
geboren 1942 in Gelsenkirchen. Studium an der Kunstakademie Düsseldorf von 1964 - 71. Kunstpreis Villa Romana Florenz 1976, Arbeitsstipendium des Kunstfonds e.V., Bonn 1981, Defet-Preis des Deutschen Künstlerbundes 1983. Seit 1986 Professur für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Lebt und arbeitet in Essen und Braunschweig.
Die künstlerische Arbeit von Johannes Brus bewegt sich in einem Bezugssystem zwischen Plastik und Fotografie. Wichtigster Fundus sind ihm die Bilder des kollektiven Gedächtnisses, die er mit scheinbar Realem und Gegenwärtigem vielfältig vernetzt. Bei seinen Plastiken und Fotografien greift er zu Materialien, die den archetypischen Charakter unterstreichen. In der Regel verwendet er bei seinen Plastiken Beton, deren Oberflächen von Furchen und Kratern deformiert sind, was den Eindruck von Alter und Versteinerung noch betont. Auch mit Farbe wird die Entfremdung vom dargestellten Tier unterstrichen, so daß das Nahe in die Ferne entrückt. Die Fotografien entstehen in einem aufwendigen Prozess, der in seiner Art an die Arbeit von Archäologen und Paläontologen erinnert, aber auch in seinem Ergebnis: Sie zeigen Figuren, die aus einer vergangenen Welt zu kommen scheinen und geheimnisvolle Erinnerungen bergen. (Nach Gallwitz im Katalog Kunstpreis der Villa Romana, Florenz 1979)
Projekt im Rahmen der Euroga:
Pferd, 1993 - 2002
Beton
Höhe: 1,30 m
Standort: Vor der Kickenau am Wanderweg von der Auermühle zum Steinkothen
Das lebensnah gestaltete Tier ist in einem ausdruckslosen, sich sachlich gebenden Realismus erfaßt. Hergestellt als Abguß nach einem Tonmodell, zeigt sich die Oberfläche der Betonplastik mit Kieseln und Sand durchsetzt und von Gußnähten strukturiert - formale Elemente einer bewußten Versachlichung. Denn persönliche Handschrift und expressive Abstraktion als Ausdruck individuellen Schöpfertums sind nicht gesucht, vielmehr ein allgemeingültiges Bild des Pferdes, das als Nutztier den Prozeß der Zivilisation ermöglicht und gefördert hat. Es ist Bild der dienstbar gemachten Natur, die in ihren instinktiven Verhaltensmustern Ferne, Ungreifbarkeit und Freiheit bewahrt hat. Sicher nicht ohne skeptische Distanz zur Idee des Tieres in ideal verklärter Unschuld, wie man es etwa im deutschen Expressionismus bei Franz Marc findet. (Dirk Teuber, Staatl.Kunsthalle Baden-Baden)