
Peter Brüning (1929-1970)
geboren 1929 in Düsseldorf; gestorben 1970 in Ratingen. Studium an der
Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Baumeister 1950. Reisen
nach Spanien, Italien und Frankreich 1952 - 1954. Brüning findet über
den Kubismus zu einer abstrakten und autonomen Bildsprache. Cornelius-Förder-Preis
der Stadt Düsseldorf 1955. Erste tachistische Versuche und Hinwendung
zur Malerei des Informel. Teilnehmer an der >documenta< 2-4 in Kassel.
1961 Villa-Romana-Preis 1959 bis 1968. Honorable Award auf der III. Internationalen
Biennale junger Künstler in Tokio 1964. Professur für Malerei an der Kunstakademie
in Düsseldorf 1969. Peter Brüning gilt als ein Hauptvertreter der lyrischen
Abstraktion in Deutschland.
(Aus: Ruhrberg, Schneckenburger, Fricke, Honnef: Kunst des 20.Jahrhunderts,
Taschenverlag, Köln 2000, 698)
Ende des Jahres 1964 ist eine Tendenz zu beobachten, sich über die Straßenstrukturen der Legenden hinaus mit weitgehenden Details der Zeichen und Strukturen zu beschäftigen, wie sie die Kartographie im Laufe der Zeit in ihren nterschiedlichen Kartentypen entwickelt hat. Mit der Zeichensprache der Kartographie hatte Brüning als Ausdrucksmittel ein Vokabular gefunden, das ihm die Möglichkeit bot, sich mit dieser auf allgemeiner Übereinkunft basierenden Sprache - mit objektiven Werten also - gänzlich frei und auch außerhalb deren Funktion individuell artikulieren zu können und damit von der Intention und vom Sujet her inhaltlich nachvollziehbarer als zuvor ein Moment seiner Bildsprache realisieren zu können: Landschaft." Ab 1966 treten die Zeichen in den Außenraum und bilden mit der Natur eine Einheit oder treten als deren Stellvertreter auf. (M.-L. Otten, Ratingen, Mai 1999)
Projekt im Rahmen der Euroga:
Objektive Landschaft - Kartographisches Baumzeichen, 1969 /2002
Aluminiumblech, Edelstahl
Höhe: 2,50 m
Standort: Cromforder Allee im Park vor dem Herrenhaus Cromford
Mit Hilfe des Zeichens Baum aus der Kartographie (hier für Laubwald), als solches ja bereits Ergebnis eines Abstrak-tionsprozesses, wird die Landschaftsdarstellung auf eine allgemeingültige Formel gebracht, die einerseits für sich selbst und als Form steht, andererseits als Symbol imaginativ mit der Vorstellung von Landschaft gefüllt werden kann. Die von Brüning oft praktizierte Konfrontation mit der Wirklichkeit (Baumzeichen mit Bäumen etc. ), die er stets fotografisch festgehalten hat, erläutern diesen Vorgang sehr klar. Die Präsenz der Natur wird durch das plastisch gewordene Zeichen bewusst gemacht und als Erlebnis noch verstärkt. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, daß das Form und Inhalt zugleich darstellende Zeichen auch für sich alleine dastehen und Landschaft sowohl ausdrücken als auch ersetzen kann: zwei Striche ersetzen die Wiese, ein wie eine "2" aussehendes plastisches Objekt symbolisiert den nicht mehr vorhandenen Wald.
Die Zeichen haben sich verselbständigt und die Realität verdrängt. In der aus heutiger Sicht im Hinblick auf Natur und Landschaft visionär erscheinenden Darstellungen einer von den Erscheinungsformen der modernen Industrie veränderten, geprägten und gleichzeitig gefährdeten Landschaft, in denen - wie Brüning es ausdrückte - "die Zeichen unsere zweite Natur werden", ist er nicht nur Seismograph seiner Zeit, die noch von Fortschrittsgläubigkeit geprägt war. (M.-L. Otten 1999)